Steinwüsten oder Schottergärten –
eine kleine Definition

Tjards Wendebourg hat es in seinem Buch „Der Kies muss weg!“ eindrucksvoll beschrieben:

Egal ob Kies, Schotter, Lava oder Glas – die Materialien alleine machen noch keinen „Garten des Grauens“.

Im allgemeinen Aufruhr über die Steine droht so manches unter die Räder zu kommen. Der Überdruss über den Trend zum Stein sorgt dafür, dass viele Menschen Kies und Schotter generell ablehnen.  Deswegen eigenen sich die Begriffe „Steingarten“ und „Kiesgarten“ – also positive Beispiele der Steinverwendung – nicht unbedingt, um Kies- und Schotterschüttungen zu beschreiben.

Zu Steinwüsten werden Kies- sowie Schotterschüttungen erst durch die Gestaltung und das Umfeld. Wie Kies und Schotter optisch wirken hängt von ganz unterschiedlichen Faktoren ab.

Die Problematik

Abnehmende Biodiversität
Gärten leisten einen immens wichtigen Beitrag zum Erhalt der Biodiversität. In Schottergärten oder bei Pflasterflächen finden aufgrund der fehlenden Pflanzen Insekten und Vögel keine Nahrung.

Flächenversiegelung
Bei reinen Pflaster- oder Schotterflächen kann Regenwasser nicht mehr vernünftig versickern, was sich negativ auf die Grundwasserneubildung auswirkt.

Lass uns Steine richtig einsetzen und ihnen zu ihrem guten Ruf zurückverhelfen!

Es gibt viele Möglichkeiten, einen Garten mit Kies und Schotter ansprechend zu gestalten. Die Negativbeispiele von Kies- und Schotterschüttungen sind nicht nur schlecht für die Umwelt, sondern sie haben auch dafür gesorgt, dass Techniken mit Kies, Schotter und Splitt attraktiv zu gestalten in Verruf geraten sind: Am Ende richtet sich die Feindseligkeit gegen die Steine statt gegen die Lieblosigkeit, mit der sie verwendet werden.

Gerade an dieser Stelle möchten wir zur Differenzierung beitragen und einmal zeigen, was man mit Kies, Schotter und Splitt alles im positiven Sinne machen kann. Oft liefert die Natur das Vorbild.

Als Beispiele dienen Kiesgärten, deren Pflanzenzusammenstellungen hervorragend als Vorlagen für die Pflanzenverwendung im eigenen Garten taugen. Aber auch andere Arten, mit Kies und Schotter ansprechend zu gestalten, zeigen, dass die Steine ganz zu Unrecht in Verruf stehen, wenn sie sachgemäß verwendet werden.

„Heimische Pflanzen brauchen, im Gegensatz zu standortfremden Pflanzen, weniger Pflege. Außerdem locken sie Schmetterlinge, Hummeln und Vögel in den Garten. Wer seinen Garten standortgerecht plant, schafft ein Stück Natur und trägt zur Artenvielfalt bei.“

NABU-Gartenexpertin Marja Rottleb

Grün ist lebendig

Pflanzen haben positive Auswirkungen auf das Mikroklima. Sie binden Staub und Schadstoffe aus der Luft und senken die unmittelbare Umgebungstemperatur.

Die Steinflächen hingegen heizen sich tagsüber auf und geben die gespeicherte Wärme nachts ab. In immer mehr Städten und Gemeinden gibt es entsprechende Auflagen in den Bebauungsplänen für Neubaugebiete: Steinwüsten sind verboten, die Bepflanzung der Vorgärten ist Pflicht.

Lass Leben in Deinen Garten

Eine Steinwüste hat mit dem echten Kiesgarten nichts zu tun. Einen der bekanntesten Kiesgärten hat die berühmte englische Gartengestalterin Beth Chatto in ihrem Garten nahe der englischen Stadt Colchester angelegt. Der scheinbare Gegensatz zwischen Steinbelägen und hübschen Blüten fügt sich bei ihr zum lebendigen Miteinander, das sich zudem als dauerhaft und pflegeleicht herausstellt.

In einem Kiesgarten wirken vor allem größere Bereiche offener, natürlicher und im wahrsten Sinne des Wortes nicht so zugepflastert, wie es bei geschlossenen Pflasterflächen der Fall wäre. Geschwungene Linien lassen sich mit Kies und Splitt im Garten ebenfalls problemlos realisieren. Die Fläche kann gezielt bepflanzt werden und wirkt dadurch nicht als Fremdkörper.

Wie man einen Kiesgarten baut

Unattraktive Kies- und Schottergärtenschüttungen lassen sich mithilfe von Substrat leicht in Kiesgärten umwandeln. Hier ein paar Tipps für solche Pflanzungen.

Pflanzen die sich besonders für echte Kiesgärten eignen:
Beifuß, Bergenie, Reitgras, Diamantgras, Spornblume, Nelke, Kugeldistel, Edeldistel, Goldmohn, Walzenwolfsmilch, Storchschnabel, Schwertlilie, Katzenminze, Brandkraut, Kuhschelle, Rosmarin, Salbei, Heiligenkraut, Bergbohnenkraut, Fetthenne, Federgras, Thymian, Königskerze, Palmlilie.

Im Kiesgarten macht man sich die Wärmespeicherfähigkeit, den guten Wasserablauf und den geringen Nährstoffgehalt zunutze, um mit Pflanzen der Trockengebiete lebendige und pflegeleichte Pflanzungen zu schaffen. Pflanzen und Steine stehen in einem gesunden Verhältnis zueinander. Mit den Kies- und Schotterschüttungen hat der Kiesgarten deshalb nichts zu tun.

Fakten und rechtliche Vorgaben

Du willst ein Haus bauen oder kaufen und stellst fest: es gibt einen Bebauungsplan für das Wohngebiet, der nicht nur Vorschriften für den Hausbau enthält, sondern auch für die Gartengestaltung. Vielleicht fragst Du Dich, ob und aus welchem Grund Du diese sogenannten „Festsetzungen“ nun auch noch einhalten musst?

Rechtliche Vorgaben

Nach § 1 des Bundesnaturschutzgesetzes sind Natur und Landschaft aufgrund ihres eigenen Wertes und als Grundlage für Leben und Gesundheit des Menschen auch in Verantwortung für künftige Generationen im besiedelten und unbesiedelten Bereich zu schützen, zu pflegen und zu entwickeln und, soweit erforderlich, wiederherzustellen.

Sofern durch die Aufstellung von Bebauungsplänen Eingriffe in Natur und Landschaft zu erwarten sind, werden Vermeidung, Ausgleich und Ersatz auf der Grundlage der Vorschriften des Baugesetzbuches geregelt.

Nachhaltige Siedlungsentwicklung

Um diese zu sichern, müssen bei der Aufstellung eines Bebauungsplanes, durch den Baumaßnahmen vorbereitet werden, neben anderen den rechtlichen Vorgaben entsprechend auch ökologische Aspekte berücksichtigt werden. Dazu gehören die Auswirkungen der geplanten Bebauung auf Tiere, Pflanzen, Boden, Wasser, Luft, Klima sowie das Orts- und Landschaftsbild.

Mit „Festsetzungen“ werden Maßnahmen beschrieben, die diese Auswirkungen minimieren oder ausgleichen sollen.

Eingriff und Ausgleich

Jede Baumaßnahme auf bislang unbesiedelten Flächen ist naturschutzrechtlich ein „Eingriff“ in Natur und Landschaft, der beispielsweise durch die Pflanzung von Bäumen oder Hecken auszugleichen ist.

Bebauungsplanfestsetzungen zur Begrünung der privaten Grundstücke in Neubaugebieten und zur Beschränkung der Versiegelung sind Teil dieses Ausgleichs. Sie verringern den Bedarf an zusätzlich erforderlichen Ausgleichsmaßnahmen, beispielsweise in der Feldflur, und reduzieren damit auch die Kosten für Dich als Grundstückskäufer.

Für die Bereitstellung dieser Flächen und ihre Bepflanzung kann die Gemeinde einen Kostenerstattungsbetrag erheben, der anteilig den Grundstücken im neuen Baugebiet zugeordnet wird.

Die Bepflanzung der Grundstücksfreiflächen

Ein Teil jedes Baugrundstückes – meist 50% bei Wohngrundstücken und 20% bei Gewerbegrundstücken – ist dauerhaft zu begrünen, darf also weder bebaut noch gepflastert werden. Dazu gehört die Bepflanzung mit einer bestimmten Anzahl heimischer Laubbäume und Sträucher je 100 m² Grundstücksfreifläche sowie die Fassaden- und Dachbegrünung. Als Nachweis muss mit dem Bauantrag ein Freiflächenplan vorgelegt werden, in dem alle erforderlichen Begrünungsmaßnahmen dargestellt sind.

Die Gehölzpflanzungen verbessern durch Beschattung und Verdunstung das Lokalklima. Es entstehen Lebensräume für Insekten, Kleinsäugetiere und Vögel. Da sich die heimischen Tier- und Pflanzenarten im Laufe ihrer Entwicklungsgeschichte aneinander angepasst haben, sollen jedoch vorrangig heimische und standortgerechte Pflanzenarten verwendet werden.

Vorgärten

Vorgärten sind (bis auf die erforderlichen Zufahrten und Wege) als zusammenhängende Fläche dauerhaft zu bepflanzen. Schotter- und Kiesflächen sind daher im Vorgartenbereich, der immer an bereits versiegelte Gehwege und Straßen angrenzt, nicht zulässig.

Sie sind hinsichtlich ihrer Auswirkungen auf das Lokalklima wie Pflasterflächen zu betrachten, da sie sich ebenso aufheizen und nur verzögert abkühlen, und haben praktisch keinen Wert als Lebensraum für die heimische Tierwelt.

 

Versiegelung

Zufahrten, Stellplätze, Wege und Terrassen dürfen in Wohngebieten ausschließlich mit wasserdurchlässigen und/oder fugenreichen und begrünbaren Bodenbelägen befestigt werden. Versiegelnde Beläge wie Asphalt oder Beton sind als Befestigungsmaterial nicht
zulässig.

Wenn das Niederschlagswasser weitgehend auf den Grundstücken versickern kann, wird die Grundwasserneubildung gefördert und letztlich sogar die Überschwemmungsgefahr reduziert, da weniger Wasser über die Kanalisation in die Gräben und Flüsse eingeleitet wird. Daher sollte die Versiegelung grundsätzlich auf das unbedingt erforderliche Maß beschränkt werden.

Einfriedungen der Grundstücke

Einfriedungen sind als Laubgehölzhecken und/oder Zäune aus Holz- oder Drahtgeflecht auszuführen. Bei Zäunen ist ein Bodenabstand von mindestens 10 cm einzuhalten. Geschlossene Wände wie Mauern, Schotterkästen oder Holzpaneele sind nicht zulässig.

Es ist von großer Bedeutung, dass sich die Wildtiere auch innerhalb von Siedlungen sowie zwischen Siedlung und freier Landschaft einen möglichst großen Lebensraum erschließen können, um ihren vielfältigen Bedürfnissen (z.B. Nahrungssuche, Ruhen, Rückzug zur Paarung und Aufzucht des Nachwuchses, Winterschlaf) nachkommen zu können.

Hinweis: Beachte immer den jeweiligen kommunalen Bebauungsplan, der für Dich maßgeblich ist!
Mit freundlicher Genehmigung: Magistrat Stadt Lampertheim, Broschüre „Natur im Hausgarten“

Buchtipps

„Der Kies muss weg!“
Verlag Eugen Ulmer

„Der Kiesgarten – Gärtnern auf trockenem Standort“
Verlag Eugen Ulmer

„Kiesgärten – Blütenpracht ohne gießen“
Verlag Gräfe & Unzer

Buch Der Kies muss weg

Einen Kiesgarten besichtigen

Walisische Mohnblumen in Kiesgarten

Wer einmal den Garten der englischen Gartenkünstlerin Beth Chatto im südenglischen Elmstead besucht hat, kommt nicht mehr auf den Gedanken, Kiesgärten und Steinschüttungen in einen Topf zu werfen. Die Granddame der britischen Gartenkunst hat sogar ein Buch darüber verfasst, wie sie von 1991 am einen steinigen Parkplatz mithilfe von Pflanzen in ein Gartenkleinod verwandelt hat. Chatto verwendete dafür trocken- und wärmeverträgliche Arten (Xerophyten und Therophyten) die sie zu dynamischen Pflanzungen zusammengestellt hat.

Neben ausdauernden Pflanzen wie Scharfgabe, Junkerlilie oder Fetthenne spielen kurzlebige sich versamende Kräuter eine bedeutende Rolle: Eselsdistel, Königskerze und Verbenen. Der Kies tritt in den Hintergrund, die Pflanzen spielen die Hauptrolle und schaffen eine warme, mediterrane Atmosphäre. Der Eindruck ist so stark, dass der Garten zu einer über die Landesgrenzen hinaus bekannten Attraktion geworden ist.

Beth Chatto Garten: Clacton Road, Elmstead, Colchester C07 7DB

Auch in Deutschland gibt es ein paar feine Beispiele für Kiesgärten.

Einen davon haben Hella Kreiselmeyer und Ulrike Heffinger in Merzig an der Saar angelegt. Er ist Teil der elf Bereiche im „Garten der Sinne“, den Kreiselmeyer vor fast 20 Jahren gestaltet hat. Der 5.000 Quadratmeter große Kiesgarten entstand 2002 in einer ehemaligen Tongrube des Porzellanproduzenten Villeroy & Boch und liegt bis zu drei Meter tiefer als die umgebende Gartenanlage.

Auch in trockenen Phasen wird hier nicht gewässert, denn die trockenheitsverträglichen Pflanzen gedeihen hier ohne Bewässerung besonders gut. Neben vielen Polsterstauden wachsen in den steinigen Flächen zahlreiche Thymianarten und –sorten, Salbei, Küchenschellen, Stacheldrahtrose sowie Gräser.

Garten der Sinne: Ellerweg 11, 66663 Merzig

Trockenmauer aus Grauwackesteinen, im Beet wachsen vorn Sedum, Wollziest, Polster-Phlox, dahinter Segge, Heuchera und Hortensien

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